Mittelschüler testen Handwerksberufe

(Verfasser: Konrad Groitl)


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Cham.  In der vorletzten Jahrgangsstufe jeder Schullaufbahn steht für die Schülerinnen und Schülern die Entscheidung über den richtigen Beruf an. Damit die Jungen und Mädchen diese Entscheidung leichter treffen können, werden zahlreiche Maßnahmen im Rahmen der Berufsorientierung durchgeführt. Eine Woche lang bekamen die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Johann-Brunner-Mittelschule Cham fundierte Einblicke in gängige Handwerks- und Dienstleistungsberufe im Landkreis Cham. In diesem Jahr läuft diese Maßnahme für die Vorentlassklassen aller Mittelschulen im Landkreis bereits im zehnten Jahr sehr erfolgreich. Initiiert und finanziert wird diese praktische Woche durch die Agentur für Arbeit und das Schulamt Cham. Durchgeführt wird die Orientierungswoche vom Kolping-Bildungswerk  und dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Cham.
Dieser Tage fand für die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Unterricht fernab vom Klassenzimmer statt. Zusammen mit ihren Klassenleitern Monika Okyere, Katja Schamberger, Martin Knockl und Helmut Maier fanden sich die Mädchen und Jungen jeweils am Montagmorgen in den Ausbildungsstätten ein, um an dieser Maßnahme teilzunehmen.
Die Schülerinnen und Schüler wurden vom Leiter der Handwerkskammer in Cham, Josef Ramsauer, und vom Leiter des Kolping-Bildungswerkes, Franz Speckner, begrüßt. Beide führten die Jugendlichen und die Lehrkräfte ins Thema ein. Den Schülern wurde aufgezeigt, was eine Berufsausbildung von ihnen verlangt.
Die Berufsfelder Metall, Holz und Farbe, Elektro, Kosmetik mit Körperpflege, Installationstechnik, Hotel- und Gaststättenbereich, Pflege, Lager sowie Handel wurden deshalb ausgewählt, weil es hier im Landkreis sehr viele Ausbildungsplätze gibt. Es wird nicht mehr zwischen Männer- und Frauenberufe unterschieden, deshalb wurden die Teilnehmer in einigen Berufsfeldern auch gleichermaßen eingesetzt. Bei einigen der Berufsbereiche konnten die Schülerinnen und Schüler aber individuell wählen.
Nach der Einführung ging es gleich an das Werk. Die Jugendlichen wurden in Gruppen aufgeteilt, die jeweils einen halben bis ganzen Tag in jedem Berufsfeld verbrachten.
Im Bereich Metall stellten die Jugendlichen einen Handy-Halter aus verschiedenen Materialien her. Ausbilder Stefan Altmann achtete dabei ebenso wie seine Kollegen auf eine saubere und genaue Arbeitsausführung. Einige der Werkstücke, wie eben diesen selber gebauten Handy-Halter, durften die Schülerinnen und Schüler am Ende der Woche mit nach Hause nehmen. Im Metallbereich lernten die Jugendlichen neben Arbeiten wie fräsen, feilen und entgraten auch Tätigkeiten wie bohren, stanzen oder drehen kennen und durften Arbeitsschritte mit modernen CNC-Fräs- und Drehmaschinen ausführen.

Im Bereich Holz und Farbe der, ebenso wie die Bereiche Metall, Installationstechnik und Elektro, durch die Handwerkskammer durchgeführt wird, ging es darum mit den Mädchen und Jungs einen Getränketräger für sechs Flaschen aus unterschiedlich geformten Holzelementen für den täglichen Hausgebrauch anzufertigen und diese anhand verschiedener Methoden mit Farben entsprechend zu gestalten. Ausbilder Josef Fischer stellte den Jugendlichen den Prototypen vor und erklärte detailliert jeden Arbeitsschritt anhand einer Skizze. Bevor fleißig gesägt, gefeilt, gebohrt und geschliffen wurde, ging es erst einmal um den sicheren Umgang mit den eingesetzten Maschinen.
Der Bereich Kosmetik und Körperpflege wird in diesem Jahr neben den Bereichen Verkauf, Pflege, Lager und Hotel/Gaststätten beim Kolping Bildungswerk für Mädchen und Jungs gleichermaßen angeboten. Unter Anleitung der Ausbilderinnen Lidwina Abele und Alexandra Garbe ging es im Bereich Körperpflege um die Grundbegriffe im Friseurhandwerk. Im Bereich Gesundheit wurde der Puls gemessen oder bestimmte Massagegriffe kennengelernt. Kreativität war dann wieder bei der Gestaltung von künstlichen Fingernägeln gefragt.
Im Elektrobereich wurde ein elektronischer Würfel hergestellt. Insgesamt 86 Lötstellen sind erforderlich, damit dieses batteriebestückte Gerät dann per Knopfdruck und Zufallsgenerator eine Zahl zwischen eins und sechs anzeigt. Ziel der Tätigkeiten in diesem Bereich war es, unter Anleitung von Ausbilder Josef Seidl, erste Grundgriffe im Elektronikbereich einzuüben.
Auch in diesem Jahr wird der Bereich Installationstechnik angeboten. Im Bereich Heizung, Wasser und Gas wurden unter Anleitung von Ausbilder Stefan Altmann Rohrverbindungen erstellt. Dabei wurden Rohre geschnitten und gebogen, Gewinde geschnitten, mit Hanf versehen und die Leitungen am Schluss abgedrückt um die Dichte zu prüfen.
Im Bereich Altenpflege kamen Veronika Greiner, Claudia Graßl und Elisabeth Nachreiner zum Einsatz und brachte den Teilnehmern Grundbegriffe wie Körperwahrnehmung, Nahrungsaufnahme, Waschen, verschiedene Lagertechniken oder das Blutdruckmessen näher. Da alle Theorie natürlich Grau ist, durften die Schülerinnen und Schüler unter der Anleitung der Fachfrauen diese Tätigkeiten an Mitschülern auch üben.
Der Bereich Handel stand als Nächstes im Fokus, galt er doch bisher überwiegend als  Frauenbereich. Das Kolping-Bildungswerk hat dabei einen seiner Schulungsräume fest zu einem Laden, den „Kolpi-Shop“, umgebaut.
 

Die Schüler konnten hier unter Anleitung von Tina Drexler den kompletten Ablauf einen Handelsbetrieb kennenlernen. Ware prüfen, auszeichnen und verstauen stand ebenso wie Kunden bedienen oder Kassieren auf dem Programm.     Anders sah es dagegen im Bereich Hotel- und Gaststättenberufe aus. Unter Anleitung von Carina Brey wurde das Eindecken von Tischen für ein 5-Gänge-Menü, das Falten von Servietten und das Bedienen von Gästen mit verschiedenen Serviertechniken trainiert.
Im Bereich Lager ging es unter Anleitung von Inka Müller um die Themen Warenannahme, Kommissionierung, die Eingangs- und Ausgangsverbuchung im Warenwirtschafts- und Lagersystem sowie um die Tourenplanung.
Jeweils einen Vormittag in der Woche war auch Stefan Vogl der für die Schule zuständige Berufsberater der Agentur für Arbeit, in den Gruppen zu Gast. Er konnte sich ein Bild davon machen, was die Schülerinnen und Schüler in den Berufsfelder zu leisten haben. Dabei stellte er fest, dass das sofortige praktische Anwenden von neuem Wissen den Teilnehmern riesigen Spaß bereitete. In diesen Tagen lernen viele Lehrer ihre Schüler oft von einer ganz anderen Seite kennen und entdecken neue Stärken an ihnen. Die Agentur für Arbeit finanziert diese Maßnahme auch 2016/2017 für die insgesamt knapp 400 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen aller Mittelschulen im Landkreis zu einem wesentlichen Teil.
Am Freitagmittag hatten es dann alle geschafft. Neben ihren Werkstücken konnten sie auch ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme in Empfang nehmen, dass sie später einmal der Bewerbung beilegen können.