Geschichtliches und Daten

 

Gründung
Teilhauptschule II und Eröffnung im Jahre 1974 mit 980 Schülern und 60 Lehrkräften
Heute
Anzahl der Schüler: 511 (Stand: 10.10.2015
Anzahl der unterrichtenden Lehrkräfte 68
Gesamtzahl der Klassen 25
 5., 6., 7., 8.,9.  und 10. Klassen (voller M-Zug bis zur Mittleren Reife)

 

JOHANN BRUNNER 
Lehrer, Lehrerbildner, Heimatforscher und Schriftsteller 


Seit 1985 führt unsere Schule den Namen "Johann-Brunner-Volksschule Cham (THS II)". Wer war dieser Johann Brunner? Welche Verdienste hat er erworben, dass sein Name unserer Schule übertragen wurde? 

Johann Brunner entstammte einer Fuhrmannsfamilie in Tirschenreuth. In diesem Nordoberpfälzer Städtchen wurde er am 29. April 1857 geboren. Dort kam er zur Schule, die ihn dann an die Mettener Lateinschule entließ. Nach dem Tod seines Vaters trat er in die Präparandenschule Weiden über. Von dort aus wurde Brunner in das Lehrerbildungsseminar Eichstätt aufgenommen. Nach dem Wechsel an die Straubinger Lehrerbildungsanstalt 1874 absolvierte er ein Jahr später und fand danach seine erste Anstellung als Hilfslehrer im Bayerwaldort Schönberg bei Grafenau. 1876 wurde der junge Lehrer nach Simbach (Niederbayern) versetzt. In diesem Grenzort legte er 1879 seine Anstellungsprüfung ab. Danach holte man ihn an die Lehrerbildungsanstalt Amberg, an der er sechs Jahre lang als Seminarschulverweser bzw. als Seminarhilfslehrer wirkte.

1886 kam er als ständiger Lehrer an die Chamer Präparandenschule. Im Jahr darauf heiratete er die Chamer Bürgertochter Katharina Dobler und wurde dadurch in der Bayerwaldstadt sesshaft. Als kunstsinniger und geschichtsbewußter Lehrer interessierte er sich nicht nur für die historischen Gegebenheiten. Er befasste sich intensiv mit den örtlichen Ereignissen aus fernen und gegenwärtigen Zeiten, forschte, schrieb auf, band seine Schüler in die Forschungen mit ein und weckte so in mehreren Lehrergenerationen die Freude an der Heimatgeschichte und deren Träger. 

Ab 1888 begann er mit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse. Dies war der Anlass, ihn zum Mandatar des Historischen Vereins der Oberpfalz im Bereich Cham zu berufen. Darüber hinaus bestellte ihn die Königliche Schulkommission zum Seminarlehrer. Dieses Amt berechtigte seinen Inhaber zur damaligen Zeit zum Tragen einer Beamtenuniform, die den gewöhnlichen Lehrern vorenthalten blieb. 

Zahllose Artikel zu methodischen und didaktischen Themen, fachwissenschaftliche Abhandlungen über
heimatgeschichtliche Hintergründe machten Brunner weit über seine Heimat hinaus bekannt. 1908 nahm er am Wettbewerb des Vereins für Volkskunde und Mundartforschung teil. Diese Arbeit brachte ihm wegen ihrer Gründlichkeit, ihrer exakten Recherchierung und ihrer so vielseitigen wie umfassenden Darstellung den ersten Preis ein. Damit hatte Brunner die Grundlage geschaffen für das heute noch als verlässliche Quelle der regionalen historischen Forschung geltende Werk "Heimatstudien des Bezirksamtes Cham". Weitere Veröffentlichungen wie "Geschichte der Stadt Cham", "Handelsgeschichte der Stadt Cham" oder die bekannten Stadtchroniken von Waldmünchen, Furth im Wald, Tirschenreuth und Rötz trugen dazu bei, dass Johann Brunner noch heute als "Nestor der Oberpfälzer Stadtgeschichtsschreibung" bezeichnet wird. 
Der Staat würdigte Brunners Engagement in der Schule, als Lehrerbildner und Forscher mit der Ernennung zum Leiter der Präparandenschule Cham sowie mit der Verleihung des König-Ludwig-Kreuzes, des Luitpoldkreuzes und des Verdienstkreuzes mit Kranz vom Orden des Hl. Michael. 

1923 trat Brunner als Studiendirektor der Chamer Präparandenschule in den Ruhestand. Nun hatte er Zeit für seine umfassende schriftstellerische Tätigkeit, für sein Engagement zur Errichtung der Stadtbücherei, für sein Mitwirken im Chor des Chamer Cäcilienvereins, für die Anliegen des Fremdenverkehrsvereins, für die heimatbezogene Gestaltung von Festen und Umzügen, für die Darstellung der ostbayerischen Heimat im neuen Medium Rundfunk, für seine engen Kontakte zu den Schriftstellern des Böhmerwaldes Josef Blau und Hans Watzlik. 

Sein gesamtes Wirken hat dem geachteten Bürger schließlich die Ehrenbürgerwürde der Städte Cham und Tirschenreuth eingetragen. Beide Städte haben jeweils eine Straße nach Johann Brunner benannt. Am 10. März 1941 verstarb Johann Brunner. Sein Grab auf dem Chamer Friedhof wird nicht in Vergessenheit geraten. 

Das Engagement des umsichtigen Pädagogen und erfahrenen Lehrerbildners, das unermüdliche Forschen des einsatzfreudigen Heimatkundlers und die umfangreiche Tätigkeit des Literaten Johann Brunner wurden auf Wunsch und Antrag des Schulverbandes, des Elternbeirats und der Lehrerschaft der Teilhauptschule II Cham durch die Übertragung seines Namens auf die größte Volksschule im Landkreis Cham gewürdigt. Johann Brunner steht auch dafür, daß nur die Rückschau in die Tiefe der geschichtlichen Entstehungs- zusammenhänge einen Vorblick und eine verlässliche Öffnung in eine lebenswerte und menschliche Zukunft hinein zu leisten vermag. In diesem Sinne erscheint er als ein bleibendes und zeitgemäßes Vermächtnis an das pädagogische Gewissen auch dieser unserer krisen- geschüttelten und sehnsuchtsvollen Zeit.